Joe Zawinul

Frage:
Ich habe kürzlich eine Aufzeichnung von "Ralph Gleason's Jazz Casual"-TV-Show mit dem "Cannonball" Adderley Quintet aus dem Jahr 1961 gesehen, die gibt's gerade überall billig zu kaufen. Das Video zeigt: Jazz war ja auch eine gelebte Kultur - und bleibt abstrakt, wenn man heute nur die Platten hört. Die Musiker, Sie inklusive, strahlen auf dem Konzertmitschnitt eine totale Ruhe und Coolness aus, als ob die ganze Band beim Spielen tanzen würde - aber ohne sich zu bewegen…

Zawinuls Antwort:
Das ist eine wirklich gute Observation. Da war viel Tanz in der Musik, aber aus der Hüfte geschossen. Das ist im übrigen die einzige Weise, wie man spielen kann. Man kann nicht irgendwelche Bewegungen machen, die überflüssig sind. Viele Stücke waren sehr schnell. Und schnell kann man nur sein, wenn man ruhig ist. Deshalb sage ich ja auch immer: Jazz ist eigentlich unlernbar. Wenn man nicht die innere Ruhe kriegt, dann ist Jazz sehr schwierig zu erlernen. Die Schultern entspannt, und die Musik kommt aus den Fingern, als ob das Hirn in den Fingern sitzen würde.